/41/ Sachsenhausen

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Unten kannst du mich auch auf deutsch lesen.

Sachsenhausen is a Nazi, and later Soviet, concentration camp, located about a half hour outside of Berlin in the suburban satellite town of Oranienburg. It was a strange daytrip, and my first visit to a concentration camp. “Visit” seems an inappropriate word, and “daytrip” doesn’t really fit either. Both make it sound so temporary, an experience you can discard when you’re done with it.

I suppose that’s inevitable. Nobody can seriously walk through life suffering for the victims of the holocaust 24/7. But I wanted the visit to be something more than a tick off the bucket list, and found myself trying to superimpose permanence by paying close attention to everything the tour guide said, trying to catalogue every fact, thought and feeling which passed through my head in the hours I was there.

Sachsenhausen opened its gates, which still bear the infamous phrase “Arbeit macht frei” (“work makes you free”) in 1936. A programme of systematic degradation, neglect and extermination of an endless stream of “subhumans” followed for almost a decade. There were rapists and murderers among them; there were also communists and Jews; there were homosexuals and the disabled.

The first time that inmates were gassed, there was no elaborate equipment: a van was merely backed up to an exhaust-pipe-shaped hole in the specially-constructed building and the motor was left running.

The “hospital” – the most advanced in Europe at the time of its construction – was nothing more than a storage facility for potential corpses, and shared a wall with the brothel where the doctors went in their breaks. The patients were experimented on, left to bleed out or starve, and the cadavers were then dissected in the name of science. The operating table (pristine, clinical white tile with a drain at one end) was horrifying.

A specialist team was assigned with the task of developing inventive ways of having inmates die without directly killing them. Enough warm clothes for each prisoner, which could have easily prevented most from freezing to death, were left to gather dust in a storage facility. They were worn only once, for a press photograph which now hangs in the old kitchen.

Prisoners were given tasks to occupy their days: one of the most horrible was wearing in soldier’s shoes straight from the factories. A special course was crated which ran the perimeter of the grounds and consisted of mud, rocks, sand, and even shards of glass. With shoes that could be several sizes too big or too small, the already weak inmates had to run for ten kilometers with ten kilograms on their backs. The truth, of course, was that no German soldier would ever wear shoes that had been worn by a Jew or other “subhuman”, especially not covered in mud, sweat and blood.

Perhaps the most upsetting fact I learned was that after the end of the war, the camp was reinstated as a Soviet “special camp”. There were prisoners who had just been freed and who were just heading out on their way home, who were subsequently arrested for having no papers and sent right back to Sachsenhausen.

I hope I’ve remembered those facts correctly. It’s pretty much the only thing we can do; remember, and try never to let this happen again. Though looking at South Korea, China, Russia, Afghanistan, Saudi Arabia, Syria, Yemen, Nigeria, Lybia, Somalia, Pakistan, and Sudan (leaving so many unmentioned), it seems the human capacity for unfathomable cruelty has not even close to abated.

And I have no idea, NONE AT ALL, what to do about it.

“This film was the first documentary to show what the Allies found when they liberated the Nazi extermination camps: the survivors, the conditions, and the evidence of mass murder.”:

 

KZ Sachsenhausen war ein Konzentrationslager der Nationalsozialisten, und später war es ein sowjetisches Speziallager. Die Gedenkstätte liegt etwa eine halbe Stunde außerhalb von Berlin in der Satellitenstadt von Oranienburg. Es war ein seltsamer Tagesausflug , und mein erstes mal in einem Konzentrationslager . “Tagesausflug ” scheint mir eigentlich ein bisschen zweckwidrig als Beschreibung , und “Besuch” passt auch nicht wirklich. Beide lassen die Erfahrung so temporär klingen, als wäre es etwas, was man später ablegen kann, wenn man damit fertig ist.

Ehrlich gesagt nehme ich eigentlich an, dass das ziemlich unvermeidlich ist. Niemand kann ernsthaft in einem ständigen Mitleidszustand durch das Leben gehen. Das hilft ja auch niemandem, außer dass es dir ein Überlegenheitsgefühl geben kann. Jedoch wollte ich dem Besuch doch einen geringen Maß an Ernsthaftigkeit verleihen, und versuchte ihm durch eine erhöhte Aufmerksamkeit eine Art von Permanenz zu gewähren. Alles, was die Reiseleiterin erzählte, jeder Gedanke, der mir durch den Kopf eilte, jedes Gefühl, das mich überkam, versuchte ich zu verinnerlichen und katalogisieren.

Sachsenhausen öffnete im Jahre 1936 sein schreckeneregendes Metaltor, das noch heute den berüchtigten Satz “Arbeit macht frei“ proklamiert. Darauf folgte ein Programm der systematischen Entmenschlichung , Vernachlässigung und Vernichtung eines endlosen Stroms “Untermenschen”, das fast ein Jahrzehnt dauerte. Unter ihnen gab es Vergewaltiger und Mörder , es gab Kommunisten und Juden, es gab Homosexuelle und Behinderte.

Das erste Mal, dass Häftlinge hier vergast wurden, gab es keine besondere Ausstattung vor Ort: ein Lastwagen wurde ganz einfach gegen die Wand reversiert, bis der Auspuff durch ein angefertigtes Loch in der Wand schlüpfte. Den Motor ließ man am laufen.

Das Krankenhausgebäude – das modernste in Europa zu der Zeit der Errichtung – war nichts mehr als ein Stauraum für potentielle Leichen. Es teilte eine Wand mit dem Bordell, das die Ärzte in ihren Pausen besuchten. An den Patienten wurde experimentiert, dann wartete man bis sie vor Hunger oder Krankheit umkamen. Die Leichen wurden im Namen der Wissenschaft zergliedert. Der Operationstisch (makkelos, klinischweiß und kekachelt, mit einem Ablauf an einem Ende) war grauenvoll.

Ein Spezialisten-Team war beauftragt mit der Entwicklung erfinderischen Methoden, die Insassen indirekt zum Tode zu führen, so dass sie nicht direkt umgebracht werden mussten. Eine ihrer erfolgreichsten Ideen: genug warme Kleidung für jeden Gefangenen, Kleidung, die zahllose Leben hätte retten können, sammelte Staub in einem Lager neben dem KZ. Die Pelze wurden nur einmal für ein Pressefoto herausgeholt. Das Foto hängt jetzt in der ehemaligen Küche.

Die Gefangenen bekamen Aufgaben, um sie tagsüber zu beschäftigen. Eine der schrecklichsten Aufgaben war es, die Stiefel der Soldaten einzulaufen. Eine Art Hindernislauf wurde um den Umfang des Lagers konstruiert, er bestand aus Schlamm, Steinen, Sand und sogar Glasscherben, die in die Erde gepackt wurden. Mit Schuhen, die viel zu groß oder viel zu klein sein konnten, mussten die ohnehin schwachen Insassen zehn Kilometer lang mit zehn Kilogramm auf dem Rücken laufen. Die Wahrheit ist natürlich, das kein einziger deutscher Soldat jemals die Schuhe, die von einem Juden oder anderen “Untermenschen” getragen waren, anziehen würde, vor allem nicht wenn sie mit Schlamm , Schweiß und Blut bedeckt waren.

Die erschütterndste Tatsache, die ich gelernt habe, hatte damit zu tun, dass nach dem Ende des Krieges das Lager als sowjetisches “Speziallager” eingesetzt wurde. Es gab Gefangene, die nach ihrer Befreiung auf dem Heimweg waren, und dort gerade wegen ihrer Papierlosigkeit wieder festgenommen und zurück nach Sachsenhausen geschickt wurden.

Ich hoffe, dass ich diese Fakten richtig zurückgerufen habe. Es ist so ziemlich das einzige, was wir tun können, uns an das Geschehene zu erinnern, und versuchen, es nie nie wieder passieren zu lassen. Aber nach einem kurzen Blick auf Südkorea, China, Russland, Afghanistan, Saudi-Arabien, Syrien, Jemen, Nigeria, Libyen, Somalia, Pakistan, und Sudan, scheint es mir so, als ob die menschliche Fähigkeit zur Grausamkeit überhaupt nicht nachgelassen hat.

Und ich habe keine Ahnung , gar keine, was man da machen kann.

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